Siegeszug von Kunst und Mode

Der Siegeszug von Kunst und Mode begann für viele Menschen vor über 100 Jahren. Denn damals begann erstmals ein Flirt von zwei verschiedenen Stilrichtungen, von Kunst und Mode, und es wurde damit ein Spiel aus wechselseitiger Anziehung und Abstoßung geschaffen. Genau diese beiden Gegensätze zogen sich auch wiederum an und es wurde schließlich im Laufe der Zeit eine Vermählung vollzogen. Viele sind der Meinung, dass genau an jenem Schnittpunkt auch ein neuer kreativer Lebensstil entstehen könnte.

Mode und Kunst in der Prada

Die Mailänder Fondazione zeigte anlässlich dieses Ereignisses, eine ihrer verblüffendsten Ausstellungen in der Prada. Der kalifornische Konzeptkünstler John Baldessari, der auch dieser Tage einen runden, nämlich seinen 70. Geburtstag feiert, schuf extra dafür eine etwa viereinhalb Meter hohe Bronzeskulptur im Stil von Alberto Giacomettis. Es sollen genau diese, sehr exaltierten "Giacometti Variationen" den Zeitgeist dieser Epoche und Entwicklung zeigen. Beschrieben wurde es vom Künstler selbst als ein wichtiges Zeitgeistexperiment denn darin soll gerade jenes Phänomen zum Ausdruck kommen, dass Kunst und Mode in einander verfließen können und zu einem harmonischen Genuss führen. Dies Figuren von Giacometti sollen auch die ausgemergelten der gesamten Kunstgeschichte sein.

Prozess von Annäherung und Abstoßung

Es ist aber geradezu dieser Prozess der wechselseitigen Annäherung und Abstoßung der Modewelt und Kunst ein steiniger Weg, der vor über 100 Jahren begann und noch immer nicht vollendet erscheint. Ein wichtiges Zeitgeistdokument soll jenes kurz nach 1900, von dem belgischen Jugendstilkünstler Henry van de Velde geschaffenen, Kleid sein, dass der Künstler seinerzeit für seine Frau Maria geschaffen hatte. Es handelte sich um ein geschnürtes Korsett, das aber, für damalige Verhältnisse unüblich, nicht einengend war.

15 Jahre in Kunst und Mode

Es wirkte nicht üblich, denn das Kleid hing ganz locker über ihren Körper und ließ die Frau endlich durchatmen. Es dauerte dann auch 15 Jahre, bis der italienische Universalkünstler Mariano Fortuny, eigentlich ein Maler und Modedesigner, die plissierten Delphos-Roben aus einem feinst gefältelten Seidenschlauch erfand.
Zu dieser Zeit wurde die Mode auch zum ersten Mal durch lebende Mannequins über Laufstege vorgezeigt. Es war damals nämlich noch üblich, die Kollektionen auf Kleiderpuppen zu präsentieren.

Christian Dior, der wohl heute noch sehr vielen Menschen ein Begriff ist, verhalf kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, mit seinem "New Look" Frauen in Gazellen ein ganz neues Körperbewusstsein. Es waren auch die Zeiten, wo Surrealisten wie zum Beispiel Salvador Dalí und die große Elsa Schiaparelli, neuartige Anzüge mit Taschen in Lippenform schufen. Es wurden die ersten farbig bedruckten Kleider und Badeanzüge geschaffen (zum Beispiel durch die Ukrainerin Sonia Delaunay). Ebenso entstanden sehr bald die zackig bunten Herrenanzüge des italienischen Futuristen Giacomo Balla.



Künstler schafften Zeitgeist

Es waren auch die Zeiten wo Künstler wie etwa Andy Warhol durch den damaligen Zeitgeist zu Berühmtheiten wurden, als dieser etwa Campbell's Soup-Tomatensuppen-Hängerchen in A-Linie im Jahr 1960 schuf.